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Sonder­abschreibung Photovoltaik: die 40 Prozent und was sie kosten

Die Sonderabschreibung ist der zweite Hebel neben dem Investitionsabzugsbetrag — und der weniger verstandene. Sie holt Abschreibungsvolumen nach vorn. Weg ist es damit nicht, aber später fehlt es.

Was ist die Sonderabschreibung nach § 7g EStG?

Die Sonderabschreibung erlaubt dir, bis zu 40 Prozent der Anschaffungskosten zusätzlich zur normalen Abschreibung geltend zu machen — im Jahr der Anschaffung oder verteilt über die vier Folgejahre. Sie steht in § 7g Abs. 5 EStG und gilt für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Eine Photovoltaik- oder Batteriespeicheranlage, die du als abgegrenzte Teilanlage erwirbst, ist genau das.

Gesetzeslage Die 40 Prozent gelten für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2023 angeschafft oder hergestellt werden. Davor waren es 20 Prozent.

Wichtig für das Verständnis: Die Sonderabschreibung ist unabhängig vom Investitionsabzugsbetrag. Du kannst sie auch nutzen, wenn du vorher keinen IAB gebildet hast. Beide zusammen wirken allerdings deutlich stärker als jeder für sich — dazu unten das Rechenbeispiel.

Die vier Voraussetzungen

Sie müssen alle erfüllt sein. Fällt eine weg, fällt die Sonderabschreibung weg — rückwirkend.

1. Bewegliches Wirtschaftsgut des Anlagevermögens

Es muss ein bewegliches, abnutzbares Wirtschaftsgut sein, das du in deinem Betriebsvermögen hältst. Bei einem Direktinvestment ist das der Punkt, an dem sich entscheidet, ob der Hebel überhaupt greift: Du musst Eigentümer einer konkret abgegrenzten Anlage sein — nicht Inhaber eines Anteils an einem gemeinschaftlich verwalteten Vermögen. Was du genau erwirbst, steht im Abschnitt zur Rechtsstellung.

2. Gewinngrenze von 200.000 Euro

Gesetzeslage Der Gewinn des Betriebs darf im Wirtschaftsjahr vor der Anschaffung 200.000 Euro nicht überschreiten — gerechnet ohne Investitionsabzugsbeträge.

Das ist die Voraussetzung, die in der Praxis am häufigsten übersehen wird, und sie trifft ausgerechnet die Zielgruppe, für die der Hebel interessant ist. Maßgeblich ist der Gewinn des Betriebs, in dem die Anlage landet — nicht dein zu versteuerndes Einkommen. Für viele Spitzenverdiener ist das der Unterschied zwischen „geht nicht" und „geht", und er lässt sich nur mit dem eigenen Steuerberater klären.

3. Betriebliche Nutzung zu mindestens 90 Prozent

Die Anlage muss im Jahr der Anschaffung und im gesamten folgenden Wirtschaftsjahr zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden. Bei einer Anlage, die vollständig ins Netz einspeist oder vermarktet wird, ist das unproblematisch — die Nutzung ist von Natur aus betrieblich.

4. Verbleiben im Betrieb

Die Anlage muss über denselben Zeitraum in einer inländischen Betriebsstätte verbleiben. Wer im zweiten Jahr verkauft, verliert die Sonderabschreibung rückwirkend. Das ist einer der Gründe, warum ein Direktinvestment in Energieinfrastruktur nichts für kurzfristige Dispositionen ist.

Wie IAB und Sonderabschreibung zusammenwirken

Die Reihenfolge ist entscheidend, weil die Sonderabschreibung auf den verbleibenden Betrag wirkt — nicht auf die volle Investitionssumme.

  1. Der Investitionsabzugsbetrag nimmt bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten vorweg, gedeckelt auf 200.000 Euro je Betrieb.
  2. Bei der Anschaffung wird der IAB gegen die Anschaffungskosten gerechnet. Die Bemessungsgrundlage sinkt entsprechend.
  3. Auf diese verminderte Bemessungsgrundlage wirken dann Sonderabschreibung und lineare AfA.

Ein Zahlenbeispiel, das du auf der Startseite mit deinen eigenen Werten nachrechnen kannst:

Modell Einzelveranlagung, zu versteuerndes Einkommen 165.000 €, Investition 200.000 € netto, Eigenkapitalanteil 20 %. Alle Werte gerundet.
PositionWert
Steuerlast ohne Abzug61.599 €
Steuerlast mit Abzug16.410 €
Entlastung im Jahr der IAB-Bildung45.190 €
Entlastung im Anschaffungsjahr durch die Sonderabschreibung17.724 €
Steuerliche Liquidität gesamt62.914 €
Benötigtes Eigenkapital40.000 €

Der bemerkenswerte Teil steht in den letzten beiden Zeilen: Die steuerliche Liquidität liegt in diesem Modellfall über dem benötigten Eigenkapital. Das ist keine Rendite und kein Gewinn — es ist Liquidität, die zeitlich vorgezogen wird.

Diese Zahlen sind ein Modell mit den oben genannten Annahmen, keine Zusage. Ändert sich eine Annahme, ändert sich das Ergebnis. Die Rechenlogik ist auf der Startseite offengelegt und nachprüfbar.

40 Prozent sind ein Rahmen, kein Automatismus

Der Gesetzestext sagt „bis zu insgesamt 40 Prozent" im Begünstigungszeitraum — dem Anschaffungsjahr und den vier folgenden Jahren. Wie du diese 40 Prozent auf die fünf Jahre verteilst, ist deine Entscheidung: alles im ersten Jahr, gleichmäßig verteilt, oder gezielt in das Jahr mit der höchsten Steuerlast.

Diese Freiheit ist mehr wert, als sie auf den ersten Blick wirkt. Wer weiß, dass in zwei Jahren ein Firmenverkauf, eine Abfindung oder ein außergewöhnlich starkes Geschäftsjahr ansteht, kann das Abschreibungsvolumen dorthin legen, wo der Grenzsteuersatz am höchsten ist. Der Effekt ist dann größer als bei sofortiger Ausschöpfung.

Was in Jahr sechs passiert

Hier steht der Satz, der auf den meisten Seiten zu diesem Thema fehlt: Was du vorne abschreibst, fehlt hinten.

Die Sonderabschreibung schafft kein zusätzliches Abschreibungsvolumen. Sie verteilt vorhandenes Volumen anders — mehr am Anfang, weniger später. Nach Ablauf des Begünstigungszeitraums wird der Restbuchwert auf die verbleibende Nutzungsdauer verteilt, und die jährliche Abschreibung fällt spürbar niedriger aus als vorher.

Das ist keine Steuerersparnis. Es ist eine Liquiditätsverschiebung über den Buchwert. Eine echte Ersparnis entsteht erst dann, wenn dein Steuersatz in den späteren Jahren niedriger liegt als heute — etwa nach dem Ausstieg aus dem operativen Geschäft.

Wer das weiß, trifft eine andere Entscheidung als jemand, dem 40 Prozent als Geschenk verkauft wurden. Und er trifft sie belastbarer: Die Investition muss auch dann tragen, wenn man den Steuereffekt herausrechnet. Tut sie das nicht, ist der Steuereffekt kein Argument, sondern eine Ablenkung.

Und die degressive AfA aus dem Investitionsbooster?

Gesetzeslage Für bewegliche Wirtschaftsgüter, die nach dem 30.06.2025 und vor dem 01.01.2028 angeschafft werden, ist zusätzlich eine degressive Abschreibung von bis zu 30 Prozent möglich — im ersten Jahr höchstens das Dreifache der linearen AfA, in den Folgejahren bis zu 30 Prozent vom jeweiligen Restbuchwert. Anders als bei § 7g gibt es dafür keine Gewinn- oder Größengrenze.

Für die Praxis heißt das: Es gibt derzeit mehrere Hebel, die sich kombinieren lassen, und die günstigste Reihenfolge hängt von deiner konkreten Lage ab — Rechtsform, Gewinnhöhe, geplanter Zeithorizont. Das ist genau der Punkt, an dem eine allgemeine Website aufhört und der Steuerberater anfängt. Wir rechnen dir die Struktur durch, damit du und dein Berater eine Grundlage habt; entscheiden muss er.

Wann die Sonderabschreibung nichts für dich ist

  • Wenn der Gewinn deines Betriebs im Vorjahr über 200.000 Euro lag. Dann ist § 7g verschlossen — IAB und Sonderabschreibung gleichermaßen.
  • Wenn du damit rechnest, die Anlage innerhalb der ersten beiden Jahre zu veräußern.
  • Wenn dein Steuersatz in den kommenden Jahren voraussichtlich steigt. Dann verschiebst du Abschreibungsvolumen aus einem teuren in ein noch teureres Jahr — das kann sich rechnen, muss aber gerechnet werden.
  • Wenn die Investition ohne den Steuereffekt nicht tragen würde.

Häufige Fragen

Kann ich die Sonderabschreibung ohne Investitionsabzugsbetrag nutzen?

Ja. Beide stehen in § 7g EStG, sind aber voneinander unabhängig. Solange die Gewinngrenze und die Nutzungsvoraussetzungen erfüllt sind, kannst du die Sonderabschreibung auch dann in Anspruch nehmen, wenn du zuvor keinen IAB gebildet hast.

Wie hoch ist die Sonderabschreibung genau?

Bis zu 40 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten, verteilbar auf das Anschaffungsjahr und die vier folgenden Jahre. Für Anschaffungen vor dem 01.01.2024 waren es 20 Prozent.

Gilt die Gewinngrenze für mein Einkommen oder für den Betrieb?

Für den Betrieb. Maßgeblich ist der Gewinn des Betriebs im Wirtschaftsjahr vor der Anschaffung, ermittelt ohne Berücksichtigung von Investitionsabzugsbeträgen. Dein persönliches zu versteuerndes Einkommen ist für diese Grenze nicht ausschlaggebend — wohl aber dafür, wie stark der Effekt bei dir ausfällt.

Was passiert, wenn ich die Anlage vorzeitig verkaufe?

Wird die Anlage vor Ablauf des maßgeblichen Zeitraums veräußert oder entnommen, entfallen die Voraussetzungen rückwirkend. Die Sonderabschreibung wird dann im Jahr ihrer Inanspruchnahme rückgängig gemacht, und es kommt zu einer Steuernachzahlung.

Muss ich die 40 Prozent im ersten Jahr ausschöpfen?

Nein. Du kannst sie beliebig auf die fünf Jahre des Begünstigungszeitraums verteilen. Diese Wahlmöglichkeit ist ein Planungsinstrument: Das Volumen wandert dorthin, wo dein Grenzsteuersatz am höchsten ist.


Rechne es mit deinen eigenen Zahlen durch

Auf der Startseite steht ein Rechner, der Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung zusammen abbildet — mit offengelegter Formel, damit dein Steuerberater sie nachvollziehen kann.

Zum IAB-Rechner

Alle Angaben dienen der allgemeinen Information und stellen weder eine Steuer- oder Rechtsberatung noch eine Anlageberatung dar. Die steuerliche Wirkung hängt von deinen individuellen Verhältnissen ab und ist stets mit deinem Steuerberater zu prüfen. Zuletzt geprüft am 8. September 2026 · Redaktion GreenLife Investment. Rechtsstand: 8. September 2026. Quellen: § 7g EStG, § 7 Abs. 2 EStG.