Das Problem der Mittagsstunde
Photovoltaik hat eine Eigenschaft, die früher ein Vorteil war und heute ein Problem ist: Alle Anlagen produzieren gleichzeitig. Wenn die Sonne über Deutschland steht, speisen Hunderttausende Anlagen zur selben Stunde ein. Das Angebot steigt, der Börsenpreis fällt — in Stunden mit sehr hoher Einspeisung und geringer Nachfrage bis unter null.
Für den Betreiber einer reinen Solaranlage heißt das: Die Stunde mit der höchsten Produktion ist oft die mit dem niedrigsten Erlös je Kilowattstunde. Der Ertrag in Kilowattstunden stimmt, der Ertrag in Euro bleibt dahinter zurück. Wer in der Direktvermarktung ist, spürt das unmittelbar.
Was die Kombination löst
Ein Speicher am selben Standort nimmt einen Teil der Mittagsproduktion auf und gibt ihn in den Stunden zurück, in denen wenig Solarstrom im Netz ist und der Preis höher liegt — typischerweise am frühen Abend. Die erzeugte Strommenge bleibt gleich. Was sich ändert, ist der Zeitpunkt der Lieferung und damit der Preis, zu dem sie verkauft wird.
Der Punkt, der oft falsch dargestellt wird: Der Speicher erzeugt keine einzige zusätzliche Kilowattstunde. Er vervielfacht auch nicht den Ertrag. Er verschiebt Mengen aus billigen in teurere Stunden — abzüglich der Verluste beim Laden und Entladen. Wer mehr verspricht, verkauft eine Kurve, die es nicht gibt.
Ein zweiter Effekt kommt hinzu: Der Speicher kann unabhängig von der Sonne arbeiten. Er lädt auch nachts, wenn Strom günstig ist, und nimmt an der Regelleistung teil. Die Erlösquellen der Anlage sind damit nicht mehr nur wetterabhängig, sondern zum Teil marktabhängig — zwei Profile, die sich gegenseitig abfedern.
Ein Anschluss, zwei Nutzungen
Der wirtschaftlich interessanteste Teil liegt nicht in der Technik, sondern im Netzanschluss. Ein Netzanschluss ist eine knappe und teure Ressource; die Anschlussleistung wird einmal genehmigt und einmal bezahlt.
Eine reine Solaranlage nutzt diese Leistung nur in den Mittagsstunden voll aus — den Rest des Tages liegt sie brach. Steht ein Speicher am selben Anschluss, wird dieselbe genehmigte Leistung über viel mehr Stunden genutzt: erst für die Einspeisung aus der Sonne, danach für die Ausspeisung aus dem Speicher. Aus einer Infrastruktur werden zwei Erlösströme.
Genau deshalb sind Projekte mit bestehendem Anschluss so gesucht — und deshalb entscheidet auch hier die Frist, bis zu der ein Speicher in Betrieb gehen muss, um die Netzentgeltbefreiung zu erhalten. Was es damit auf sich hat, steht in unserem Beitrag zu den Netzentgelten.
Co-Located ist nicht Hybrid
Zwei Begriffe, die im Verkaufsgespräch oft synonym verwendet werden und es nicht sind:
- Co-Located
- PV-Anlage und Speicher stehen am selben Standort und teilen sich den Netzanschluss, arbeiten aber als getrennte Einheiten mit eigener Messung. Der Speicher kann Strom aus dem Netz beziehen und ist nicht auf die Solaranlage angewiesen.
- Hybrid / AC- oder DC-gekoppelt
- Die beiden Anlagen sind technisch enger verbunden — bei DC-Kopplung teilen sie sich sogar den Wechselrichter. Das spart Kosten und Umwandlungsverluste, schränkt aber ein, wie frei der Speicher am Markt agieren kann.
Welche Bauart vorliegt, ist keine Feinheit: Sie entscheidet darüber, ob der Speicher unabhängig vermarktet werden kann, wie gemessen und abgerechnet wird und welche Regeln für die Netzentgelte gelten. Die Antwort steht im technischen Konzept, nicht im Prospekt.
Fünf Punkte im Vertragswerk
- Was genau erwirbst du? Die Solaranlage, den Speicher, beides, oder einen Anteil an beidem? Bei einem Direktinvestment muss der Kaufvertrag ein konkret abgegrenztes, identifizierbares Wirtschaftsgut bezeichnen.
- Wie wird gemessen? Getrennte Zähler für Erzeugung und Speicher sind die Voraussetzung dafür, dass sich Erlöse überhaupt zuordnen lassen — und dafür, dass die Netzentgeltbefreiung für den Speicher nachweisbar bleibt.
- Wer hat Vorrang am Anschluss? Wenn Einspeisung und Ausspeisung zusammentreffen, muss geregelt sein, wer die begrenzte Anschlussleistung bekommt. Ohne Regel entscheidet die Steuerung des Betreibers — und damit jemand anders über deinen Ertrag.
- Wie ist die Vermarktung geregelt? Ein Vertrag für beides oder zwei getrennte? Und auf welcher Grundlage wird die Vergütung des Vermarkters berechnet? Dazu ausführlich: Betrieb und Abrechnung.
- Was passiert, wenn ein Teil ausfällt? Steht der Speicher still, läuft die Solaranlage weiter — und umgekehrt. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung sollte beide Fälle abbilden, nicht nur den Normalbetrieb.
Wo die Kombination nichts bringt
Damit das Bild vollständig ist:
- Wenn die Preisspannen eng sind. Der Speicher lebt von der Differenz zwischen billigen und teuren Stunden. Wird sie kleiner, sinkt sein Beitrag — unabhängig davon, wie gut die Technik ist.
- Wenn der Anschluss zu klein ist. Reicht die genehmigte Leistung nicht, um Speicher und Erzeugung sinnvoll parallel zu fahren, verschenkt die Kombination genau den Vorteil, wegen dem man sie baut.
- Wenn die Umwandlungsverluste unterschätzt werden. Jeder Lade- und Entladevorgang kostet einen Teil der Energie. In einer seriösen Rechnung steht dieser Wirkungsgrad drin. Fehlt er, fehlt nicht nur eine Zahl, sondern ein Prüfstein.
Ein Direktinvestment bleibt unternehmerisch — auch in der Kombination. Was im ungünstigen Fall möglich ist, steht in den Risikohinweisen.
Häufige Fragen
Was bringt ein Speicher neben einer Photovoltaikanlage?
Er verschiebt Strommengen aus den Mittagsstunden mit hoher Einspeisung und niedrigen Preisen in Stunden mit höheren Preisen, typischerweise am frühen Abend. Die erzeugte Menge bleibt gleich; es ändert sich der Zeitpunkt der Lieferung und damit der erzielte Preis, abzüglich der Verluste beim Laden und Entladen.
Was ist der Unterschied zwischen Co-Located und einer Hybridanlage?
Bei Co-Located stehen PV-Anlage und Speicher am selben Standort und teilen sich den Netzanschluss, arbeiten aber als getrennte Einheiten mit eigener Messung; der Speicher kann auch Strom aus dem Netz beziehen. Bei einer Hybridanlage sind beide technisch enger gekoppelt, bei DC-Kopplung bis hin zum gemeinsamen Wechselrichter. Das spart Kosten, schränkt aber die freie Vermarktung des Speichers ein.
Warum ist der gemeinsame Netzanschluss wirtschaftlich interessant?
Weil die genehmigte Anschlussleistung einmal beantragt und bezahlt wird, von einer reinen Solaranlage aber nur in den Mittagsstunden ausgelastet wird. Steht ein Speicher am selben Anschluss, wird dieselbe Infrastruktur über deutlich mehr Stunden genutzt — aus einer Genehmigung werden zwei Erlösströme.
Was muss beim Kauf einer kombinierten Anlage vertraglich geklärt sein?
Was genau erworben wird, wie Erzeugung und Speicher getrennt gemessen werden, wer bei begrenzter Anschlussleistung Vorrang hat, wie die Vermarktung und die Vergütung des Vermarkters geregelt sind und wie sich der Ausfall eines der beiden Teile auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.
Wann bringt die Kombination aus PV und Speicher nichts?
Wenn die Preisspannen am Strommarkt eng sind, weil der Speicher genau von dieser Differenz lebt. Wenn die genehmigte Anschlussleistung zu klein ist, um beide Teile sinnvoll parallel zu fahren. Und wenn die Umwandlungsverluste beim Laden und Entladen in der Kalkulation fehlen.
Gilt die Netzentgeltbefreiung auch für den Speicher einer kombinierten Anlage?
Die Freistellung nach § 118 Absatz 6 EnWG knüpft an den Bezug der zu speichernden Energie aus dem Netz und die zeitlich verzögerte Rückspeisung in dasselbe Netz an. Ob und wie sie im konkreten Fall greift, hängt an der Bauart und an der Messkonzeption — getrennte Messung von Erzeugung und Speicher ist dafür die praktische Voraussetzung.
Ein kombiniertes Projekt konkret durchgehen
Im Erstgespräch sehen wir uns an einem realen Projekt an, wie Messung, Anschlussleistung und Vermarktung geregelt sind — und was das für den Ertrag bedeutet. Mit den Unterlagen, die du danach mitnimmst.
Alle Angaben dienen der allgemeinen Information und stellen weder eine Steuer- oder Rechtsberatung noch eine Anlageberatung dar. Maßgeblich sind allein das projektbezogene Exposé und das Vertragswerk. Zuletzt geprüft am 11. September 2026 · Redaktion GreenLife Investment.
